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Kurzmeldungen aus "Das Motorrad" Ausgabe X, im Jahre1975. Eigenkonstruktion des genialen Helmut Fath!

 
Das Fath / ARO 500 Renn-Gespann

Vor drei Jahren wurde Helmut Fath von der Idee besessen, auf der Basis eines König-Motors einen schnellen Zweitakter, für Solo- und Gespannbetrieb gleichermaßen geeignet, zu bauen.
Bei näherer Betrachtung des Königs stellte er jedoch fest, daß dieser seinen Anforderungen nicht gerecht werden könne - Fath verwarf das Projekt und begann, einen eigenen Zweitakt-Boxer zu entwickeln. Zunächst im Solo-Betrieb unter dem unvergessenen Billie Nelson eingesetzt, entwickelte Faths jüngste Konstruktion auf Anhieb eine so frappierende Leistung, daß Nelson selbst glaubte, mit diesem Geschoß „das Fahren erst erlernen" zu müssen.

Sein tragischer Unglücksfall ließ bei Fath den Gedanken an eine weitere Entwicklung der Solo-Maschine ruhen., Helmut Fath, vom Verlust seines ,1, Freundes schwer getroffen, verschanzte sich hinter der Fertigstellung des Gespanns. Finanzielle Unterstützung erhielt er durch Nürnbergs GespannMäzen Michael Roth; der gab bei Fath fünf Motoren einschließlich Getrieben in Auftrag und übernahm die Kosten für das erste Gespann, das heute unter dem Namen ARO 500 von Siegfried Schauzu zum Einsatz gebracht wird und das wir hier unseren Lesern einmal vorstellen möchten.
Der wassergekühlte Vierzylinder-Zweitakt-Boxer mit 50 mm Bohrung und 56 mm Hub ist, wie die Fotos zeigen, im Gespann quer zur Fahrtrichtung eingebaut. Jedes Zylinderpaar wird über einen Plattendrehschieber gespeist. Die Vergaser stammen von Mikuni und haben einen Durchlaß von 30 mm. Der Motor wird mit blankem Benzin betrieben, die Schmierung erfolgt direkt durch eine Pumpe, die mittels Zahnriemen über ein Winkelgetriebe, das auch die Plattenschieber steuert, angetrieben wird.

Kurbelwelle, Gehäuse, Zylinder und Köpfe sind selbstverständlich Faths eigene Konstruktionen. Die Zylinder haben hartverchromte Laufbahnen, die Kolben stammen aus Japan.


Bosch in Nürnberg entwickelte zusammen mit Fath eine neuartige kontaktlose Magnetzündanlage, mit der es, in Verbindung mit den Bosch-Kerzen, keinerlei Beanstandungen gibt.
Das Verdichtungsverhältnis beträgt 13 :1 (14:1 bei der ersten Ausführung). Über die Leistung schweigt sich Fath aus - „sagen wir gut 80 PS bei 12 200/min" meinte er lakonisch. Der nutzbare Drehzahlbereich beginnt bei 8500/min. Die Kurbelwelle, vierfach gelagert, aus Einzelteilen zusammengepreßt, erlaubt die Verwendung eines ungeteilten Mittellagers.

So problemlos, wie der Motor selbst arbeitet, klappt es mit dem Getriebe eigener Bauart nicht ganz. Zwar hätte Fath viel lieber auf ein vorhandenes Getriebe (Schafleitner) bzw. auf Kardan-Antrieb zurückgegriffen - aber weder das eine noch das andere war realisierbar. Bei Schafleitner befinden sich Ein- und Ausgang auf der gleichen Seite - und ein Kardan-Antrieb wäre zu teuer geworden. Fath war also gezwungen, auch das Sechsgang-Getriebe selbst zu konstruieren und zu bauen. Und mit diesem gibt es leider immer wieder Ärger. Allerdings glaubt Helmut Fath jetzt die Ursache zu kennen: Resonanzschwingungen vom Hinterrad und Motor verursachen so starke Wellenbiegungen, daß Zähne abreißen. Mit zusätzlichen Lagerstellen hofft Fath das Übel beheben zu können. Die Dreischeiben-Trockenkupplung läuft übrigens mit Motordrehzahl.
So revolutionierend wie der Motor ist auch das Gespann als solches. FormelV-Spezialist Hitchfell in Mannheim baute es nach Faths Ideen und Vorschlägen. Grundlegend neu ist hierbei vor allem die Aufhängung des Vorderrades (4.00 x 12), das durch einen Dämpfer eigener Bauart abgestützt wird. Der Nachlauf ist sehr gering - die vorgesehene Verstellung nimmt nicht länger als zwei Minuten in Anspruch. Das Hinterrad (155/500 x 12) hängt an einem verstellbaren Drehstab. Das Seitenwagenrad - wie vorn 4.00 x 12 bereift - ist, wie die beiden anderen auch, aus Magnesiumguß.

Der Kraftstofftank mit einem Fassungsvermögen von 26 Litern sitzt neben dem Hinterrad im Boot, der 1,5 LiterÖltank vorn unter dem Beiwagenanschluß. Das Gespann hat eine Gesamthöhe von 750 mm, einen außerordentlich niedrigen Schwerpunkt und wiegt etwa 190 kg.
Im Augenblick ist Fath dabei, ein zweites Gespann aufzubauen, das schmaler und vor allem leichter werden soll. Wer das wohl fahren wird? Helmut Fath schweigt sich aus.                                              V. Rauch