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Die Geschichte von Scale-Bikes, oder warum die "kleine" Kawasaki-H2 aus China kommen muss!

Von Motorrädern, Modellen und der legendären H2

Meine Leidenschaft gilt motorisierten Zweiräder, seit ich diese Maschinen bewegen kann. Besonders interessieren mich die Motorräder der „Golden Seventies“ – davon besitze ich zum Leidwesen meiner Frau auch einige. Zudem baue ich seit 35 Jahren Modelle von Motorrädern zusammen. Irgendwann wollte ich das Modell einer 3-Zylinder haben, egal ob als Bausatz oder Fertigmodell.
Ich „googelte“ mich durch die virtuelle Welt und stellte enttäuscht fest, dass ich nichts, aber auch gar nichts finden konnte, was meiner Vorstellung entsprach. Es gab auch von keiner der Triples ein entsprechendes Modell und im Bereich „Klassische Rennmaschinen“ - ebenfalls Fehlanzeige.
Eigentlich müsste es doch noch mehr Leute geben, die Interesse an solchen Modellen haben, ging es mir als Diplomkaufmann durch den Kopf. Warum also nicht die Miniaturen selbst produzieren und verkaufen?
Ich unterhielt mich daraufhin mit H2-Clubmitgliedern und habe auch die englische Fachpresse kontaktiert. Die Herausgeber von „Classic Racer“ und „Classic Motorcycle Mechanic“ machten mir Mut und unterstützten mich bei meiner Idee nicht nur moralisch, sondern auch mit wichtigen Informationen. Meine Schnapsidee, ganz ohne Alkohol geboren, entwickelte sich im vergangenen Jahr zu einer eigenständigen Firma. Doch der Weg bis dahin war nicht immer so einfach.

Bei weiteren Recherchen stellte sich heraus, dass alle mir bekannten Modelle den Aufdruck „Made in China“ oder „Made in Macau“ trugen. Der Lohnkostenvorteil gegenüber Europa hat sich auch hier durchgesetzt. Also war klar, dass ich auch in Fernost produzieren muss. Doch wie komme ich an entsprechende Unternehmen in Asien ran?
Sehr von Nutzen war mir bei der Suche mein großer Freundes- und Bekanntenkreis: Ein Freund ist mit einer Chinesin verheiratet, die in ihrem Heimatland arbeitet. Freundin Yi nahm Kontakt zu mehreren Unternehmen in China auf, ich suchte mir die Firma aus, die mir – auf die Entfernung hin – geeignet erschien. Per E-Mail und telefonisch jeweils in englischer Sprache begannen die Verhandlungen über die Produktion. Nach kurzer Zeit stellte sich Ernüchterung ein, denn die chinesischen Partner konnten unseren Enthusiasmus für die Klassiker nicht so richtig nachempfinden, zudem waren die von uns gewünschten Stückzahlen „Fliegenfürze“ für die Produzenten. Und, ganz bitter: Meine Vorstellungen eines höchst detaillierten Zinkdruckgussmodels im Maßstab 1:18 waren in der Realität nicht in allen Punkten umsetzbar. Allen Widerständen zum Trotz hielt ich nach zehn Wochen ein erstes Muster, ein Tooling-Modell, im Maßstab 1:12 in der Hand, also 50 Prozent größer als das endgültige Modell. Es "ähnelte" allerdings erst einer H2.

Während die Chinesen meinen Prototyp entwarfen, hatte ich zusammen mit meiner Frau Heike – von Beruf Bilanzbuchhalterin – eine Firma gegründet, um meine Geschäftsidee auf professionelle Beine zu stellen. So ein Unternehmen braucht natürlich auch einen schlagkräftigen Namen. Erstes Brainstorming und längere Diskussionen führten zu keinem Ergebnis, bis dann zufällig die Frage auftauchte: „Was heißt eigentlich Scale und warum nennst du die Motorräder Bikes?“ Tja, Scale ist das englische Wort für Maßstab, und Bike ist das fast eingedeutschte englische Wort für Zweirad.„Scale-Bikes“ als Unternehmensname war geboren.

Das Tooling-Modell stellten wir Kawasaki Europe in Amsterdam vor, die ziemlich unbürokratisch die notwendige Lizenz erteilten. Unsere eigene kritische Bestandsaufnahme ergab allerdings rund 30 Punkte, die überarbeitet werden mussten. Also Muster zurückschicken, mehrseitige Kommentare mit Fotos beigefügt und gehofft, dass uns das zweite, verbesserte Handmuster kurzfristig erreicht.
Nichts passierte ...zwei Wochen, drei Wochen, vier Wochen lang. So langsam wurden wir ungeduldig. Unsere chinesische Freundin Yi hatte wieder ihren Einsatz und danach lief es rund. Drei Monate später, im Juli 2005, erhielten wir das zweite Handmuster, das nur noch in wenigen Punkten verbessert werden musste. Leider war unsere Kritik für den Hersteller nicht nachvollziehbar oder schlecht umzusetzen – jedenfalls entschloss ich mich kurzfristig, meine erste Geschäftsreise nach China anzutreten.

Hong Kong bedeutet um diese Jahreszeit Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit und die Stadt mit fast sieben Millionen Einwohnern ist einfach „very busy“. Imposant ist der Finanzdistrikt (auf Hong-Kong Island) mit seiner modernen Architektur und den unglaublich vielen deutschen Autos mit den Ringen und dem Stern. Teilweise spürt man noch die britische Vergangenheit der einstigen Kronkolonie. Nach meinem dreitätigen Besuch im chinesischen Unternehmen war ich beeindruckt von den chinesischen Arbeitern. Sie widmeten sich mit einer Ruhe und Gelassenheit den Detailarbeiten, die ich nur bewundern konnte. Außerdem merkte ich, dass der Herstellungsprozess eines „die-cast“ -Fertigmodells doch erheblich umfangreicher und durch viel mehr Zwischenstufen gekennzeichnet ist, als ich mir das vorgestellt habe. 

Unser Modell selbst besteht aus mehr als 60 Einzelteilen, die entweder als Zinkdruckguss, in Kunststoff gespritzt oder aus gummiähnlichem Material hergestellt und zusammengepasst werden. Nachts bin ich oft aufgewacht mit dem Gedanken: „Bloß nichts vergessen, so lange du noch vor Ort bist.“ Und: Chinesisch ist eine verdammt schwere Sprache.
Dennoch hatte ich das Gefühl, den chinesischen Partnern ein wenig von unsere Motorradleidenschaft vermitteln zu können, obwohl ich trotz asiatischer Zurückhaltung oft ein Stöhnen und Augen verdrehen ertragen musste.


Die Produktionsstätte der H2 Modelle in China.


Das Endergebnis nach langen und zähen Verhandlungen.

Im Oktober war ich dann wiederum eine Woche in Hong Kong, um die fertigen Werkzeuge und die ersten Vorserienmodelle abzunehmen – und natürlich den Liefertermin abzustimmen. Bestellt hatten wir je 500 Stück H2 Baujahr 1972 (blau und gold) und H2A Baujahr 1973 (gold und purple). Ende November sollte per Luftfracht geliefert werden. Um es gleich vorweg zu nehmen: Zum Weihnachtsgeschäft 2005 hatten wir noch kein einziges Modell auf Lager. Freundin Yi war mal wieder gefragt und ihren zähen Verhandlungen ist es zu verdanken, dass wir am 3. Februar diesen Jahres ziemlich stolz die ersten Modelle am Flughafen in Düsseldorf abholen konnten: 72er Ausführung in blau und gold und 73er Ausführung in purple und gold.


Die H2 Modelle in Reih....


...und Glied. Blue und Gold.

Wenn sich unser „Prototyp“, die H2, kaufmännisch rechnet, sollen weitere klassische Modelle folgen. Ich denke dabei an eine AJS 7R-Rennmaschine aus den 50er Jahren, vielleicht eine Ducati 750 SS – ihr wisst, die silber-blaue, von der es nur rund 200 gegeben hat. Natürlich mit runden Deckeln. Für andere Vorschläge haben wir stets ein offenes Ohr. Kawasaki bietet unsere Miniaturen im Accessoires-Katalog an und demnächst kann man die Modelle auch bei www.zweitakte.de kaufen – und natürlich in unserem Web-Shop. Schaut doch mal rein unter www.scale-bikes.de Übrigens, einer unser ersten Kunden war ein Japaner aus Osaka.

Peter Machnik

Alle H2 Modelle die bei bzw. über  www.zweitakte.de gekauft werden, sind exklusiv nur für IG-2T Mitglieder zum absoluten Sonderpreis von 69,90 Euro zu haben!!!! da die IG-2T und Scale-Bikes zusammenarbeiten. Für alle anderen beträgt der Verkaufspreis pro Modell nur 79,90 Euro zzgl. Versandkosten.

Copyright by Zweitakt-Fred 2006, alle Bilder Peter M.