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"Schwarzer Samstag" Das Ratisbona Bergrennen in Kehlheim/Donau, Bericht aus Motorrad 19/1977 von Reiner Scharfenberg. Kein Wunder warum der Motorrad Bergrennsport sterben musste. Nach diesem Bericht wird einiges klar, traurig aber wahr!

 

Folgenschwere Unfälle überschatteten das Ratisbona-Bergrennen bei Kelheim/Donau. Fritz Reichert und Helmut Schilling fanden bei diesem, als fünften Lauf zur Deutschen Straßenmeisterschaft ausgeschriebenen Rennen den Tod.

Mit zum Teil über 100 PS starken Motorrädern wurden beim Ratisbona Bergrennen in Kelheim Fahrer auf eine Strecke geschickt, an der Masten und Leitplanken nur notdürftig oder gar nicht mit Strohballen abgedeckt waren, und die dem Sicherheits-Gedanken im Rennsport auch in anderen Punkten Hohn sprach.

Der Sieger von Kasseler Bergpreis, Sepp Hage (links), und Ratisbona-Gewinner Mang (mitte) und Steinhausen/Kalauch (rechts).

Als sechster Fahrer des Trainings wurde der Sersheimer Fritz Reichert Opfer dieser Strecke. Er stürzte mit seiner Kreidler und prallte gegen einen Mast. Ebenfalls im Training kam in der letzten Linkskurve vor dem Ziel das Gespann von Helmut Schilling/Rainer Gundel von der Strecke ab und prallte gegen denselben Mast. Schilling erlitt schwerste Verletzungen und verstarb drei Tage später. Sein Passagier Gundel kam mit einem gebrochenen Arm davon.

Im Schlußtraining erwischte es an derselben Stelle das Gespann - ebenso eine Maschine mit Links-Beiwagen wie Schillings ARO - von Rainer Scherzl/Hans-Jürgen Zädow. Scherzl, der erst vor wenigen Monaten in Belgien in einen Unfall verwickelt war, bei dem sein Beifahrer Siegfried Neumann ums Leben kam, erlitt lebensgefährliche Verletzungen, Co-Pilot Zädow einen Oberschenkelbruch.

Schließlich endete das Training auch für den Tübinger Peter Frohnmeyer im Krankenhaus. Er flog bei Tempo 160 gegen die ungesicherten Leitplanken, nach dem der Motor seiner Kuma-MZ festgegangen war. "Wäre der Lange (gemeint war Dieter Braun) hier, wäre schon nach dem ersten Unfall niemand mehr gefahren", protestierten die Fahrer nach diesen Unfällen.

John Dodds, Toni Mang und Franz Rau inspizierten die Strecke, die erst kürzlich von einem OMK-Vertreter abgenommen worden war, daraufhin nochmals und griffen schließlich selbst zu, als zusätzliche Strohballen zur Verbesserung der Sicherheit platziert wurden. Die Aufnahmefähigkeit des Kelheimer Krankenhauses war zu diesem Zeitpunkt schon erschöpft.

Mit fast anderthalb stündiger Verspätung starteten die Fahrer schließlich doch noch. Viele waren aber mit Gespann-Pilot Walter Ohrmann einer Meinung: „Für mich war das endgültig das letzte Bergrennen."

Reiner Scharfenberg