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 Eine "schöne" und wahre Geschichte über die Ossa Yankee 500 von Jürgen K.  Akuter Zeitmangel soll aber jetzt die langjährige und innige Liebschaft mit der rassigen Spanierin leider endgültig beenden. ....schnüff.....;-)

 

 
Im Jahre 1977 wurde die OSSA Yankee 500 in der Zeitschrift "Motorrad", Ausgabe 7/77, unter dem Titel "Yankee doodle" in einem Fahrbericht vor gestellt. Der Artikel von Franz-Josef Schermer endet mit den Worten: "Das Understatement ist heute, im Zeitalter der Multizylinder, mehr wert denn je." Es war Liebe auf den ersten Blick. Als überzeugter Zweitaktfahrer, zu jener Zeit unterwegs mit einer Maico MD 250 auf der Straße und einer OSSA 250 Trial im Gelände, war dieses Motorrad genau das Richtige für mich. Die Suche war nicht einfach. Rund ein Jahr später wurde mir eine OSSA Yankee 500 aus den Niederlanden angeboten. Ich erwarb die Maschine in leidlichem Zustand (aber schon mit abgepolsteter Sitzbank) und importierte sie selbst nach Deutschland. Hier wurde sie per Einzelabnahme 1979 dem TÜV angepasst und angemeldet. Die Stilblüten der TÜV-Abnahme waren unter anderem eine "rutschsichere" Fußbremse. Ein Profil auf das blanke Metallpedal zu feilen oder kalt zu formen war verboten, da dies einer bauartlichen Veränderung entsprach. Es musste ein Gummiprofil aufgeklebt werden. Dies tat ich mit einem VW-Käfer Bremspedalgummi. Das Gummi klebt heute noch....
Der Motor fuhr insgesamt gut, aber drehte oben herum nicht ganz frei aus. Die Bremse war gut, aber nicht aggressiv genug. Die Motorcharakteristik war insgesamt recht ruppig und die Maschine war für ihre beeindruckenden Fahrwerksleistungen einfach zu langsam.
 

So wurde zunächst eine gelochte Doppelscheibenbremsanlage der Firma Brembo angebaut. Die OSSA Yankee 500 war von Hause aus auf eine Doppelscheibe eingerichtet. Die Kenner werden die Bremsanlage an der Moto Guzzi Le Mans wiedererkennen. Wenn man bedenkt, was die Bremsen in der Guzzi leisten, so kann man sich vorstellen, was die OSSA für eine Verzögerung bei 180 kg Leergewicht bietet. Für Ende der siebziger Jahre schwer beeindruckend.
Als nächstes musste eine vernünftige Auspuffanlage her. Die Steuerzeiten des Yankee 500 Motors sind dem 250er Sachs Moto-Cross Motor der damaligen Zeit sehr ähnlich. Die Auspuffanlage für die Yankee wurde berechnet, der Ansaugweg und Luftfilter optimiert. Die Auspuffanlage ist ein Unikat. Sie entspricht einer Sportauspuffanlage mit Absorptionsschalldämpfer, übrigens leiser als die original Auspuffanlage. Mit neuen deutschen Bing-Vergasern gelang es nach unzähligen Probefahrten eine optimale Einstellung zu finden. Die OSSA fuhr nun wirklich gut und schnell. In guten Zeiten wurde die vorher nicht erreichte angegebene Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h locker überschritten. Die Übersetzung ist der Leistung optimal angepasst.

Der Motor der Yankee 500 ist gummigelagert. So musste der Luftfilter nachträglich ebenfalls in Gummi gelagert werden.
Im Laufe der Jahre wurde die originale Schwingenlagerung aus Plastik gegen Messingbuchsen mit Schmiernippel getauscht. Die Motorgehäuseöffnungen für Getriebeausgang, Schaltung, Kickstarter etc. wurden aufgearbeitet und die einfachen O-Ringe gegen Wellendichtringe getauscht.
Nach wenigen Jahren begann der Originaltank aus Kunststoff Blasen zu werfen und sich selbst in Wohlgefallen aufzulösen. Als Ersatz wurde ein maßgefertigter Aluminiumtank angebaut. Mit diesem Tank ist die OSSA 500 auch für längere Strecken tauglich.
Die Maschine trug mich durch Großbritannien, Irland, die Tschechei und Slowakei. Außer belanglosen Bagatellen stets zuverlässig.
Vor einigen Jahren tauschte ich die BING Vergaser gegen AMAL-Vergaser, weil auch BING-Vergaser nicht ewig leben. Die Vergaser sind in Ihrer Grundeinstellung installiert, hier empfiehlt sich noch eine Feinabstimung.
Die OSSA hat neue Reifen, TÜV bis 10/05, Saisonkennzeichen 4-10 und steht auf speziell angefertigten Böcken "frei schwebend". Aus Zeitmangel muß ich mich aber schweren Herzens von der Maschine trennen.

Jürgen Kleim