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Ein grober Vergleich zwischen dem Zweitakt- und dem Viertaktverfahren von Ing. Rudolf Hiller aus dem Jahre 1963 (Die Entwicklung des Zweitaktmotorrades, VEB Verlag) Dieser Vergleich hält den heutigen technischen Gegebenheiten bzw. Entwicklungen sicher nicht mehr zu 100% stand, prinzipiell aber absolut richtig und meiner Meinung nach auch für das damalige "Wissen" sehr treffend interpretiert! 2 Strokers wissen was ich meine.

 

Das Zweitaktsystem, das im Prinzip älter als das Viertaktverfahren ist, fand erst in den Nachkriegsjahren (1919/20) in stärkerem Maße Eingang in den Motorradbau.
Ausgehend vom Kleinstkraftrad, dem motorisierten Fahrrad, konnte sich der Zweitakter bald auch bei stärkeren Krafträdern durchsetzen. Diese Entwicklung wurde in Deutschland besonders stark gefördert.
Während beim Zweitakter Kolben und Kanäle den Einlaß des frischen Gasgemisches und den Auslaß der verbrannten Abgase regeln, übernehmen beim Viertakter die Ventile mit ihrer Steuerung diese Funktion. Es ist unzweckmäßig, beide Systeme zu vergleichen, ohne ihren Verwendungsbereich zu berücksichtigen, denn mit beiden Arten werden heute praktisch die gleichen Leistungen je Hubraumeinheit (Literleistung) und ungefähr das gleiche Masse-Leistungs-Verhältnis (Leistungsgewicht) sowie der annähernd gleiche Kraftstoff-Normverbrauch (1/100 km) erreicht. Der Zweitaktmotor (Bild 42) hat mit seinen drei beweglichen Teilen (Kurbelwelle - Pleuel - Kolben) im Gegensatz 

Bild 42, Zweitaktmotor

Bild 43, Viertaktmotor

zum Viertakter (Bild 43) mit seinen Steuerungsteilen weniger Verschleißteile. Die Arbeitsweise beider Motoren wird als bekannt vorausgesetzt und darum auf die Darstellung verzichtet. Von großem Wert ist aber eine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile beider Systeme.

Der Zweitaktmotor

Vorteile: Nachteile:
  • Einfacher Aufbau 
  • Keine Ventile und keine Steuerungsorgane
  • Größere Literleistung 
  • Gleichförmiges Drehmoment 
  • Geringeres Leistungsgewicht
  • Anspruchslosigkeit in der Wartung 
  • geringe Instandsetzungskosten 
  • Niedriger Herstellungspreis
  • Bis etwa Halblast und besonders bei Vollast infolge der Spül- und Ladeverluste beim Vergaserbetrieb höherer Kraftstoffverbrauch
  • Höhere Wärmebelastung wegen der fehlenden Leertakte und schwierigere Wärmeableitung 
  • Schlechteres Drehmoment bei kleinen Drehzahlen

Der Viertaktmotor

Vorteile: Nachteile:
  • Geringer Kraftstoffverbrauch infolge der durch Ventile genau geregelten Arbeitsweise
  • Motor nur halb ausgenützt, weil für einen Arbeitstakt zwei Kurbelwellen Umdrehungen erforderlich sind 
  • Geringer Gleichförmigkeitsgrad 
  • Mechanischer Wirkungsgrad durch die beiden Leertakte und durch die für die Ventilbetätigung erforderlichen Steuerungsorgane herabgesetzt

P.S. Natürlich müsste man jetzt wenigstens der Fairness halber bzgl. der jetzigen Entwicklungsstufen etwas berichtigen bzw. ergänzen. Da dies gleichermassen bei beiden Prinzipien erfolgen müsste, lass ich die Originalzitate von Ing. Hiller trotzdem mal so unverändert im Raume stehen.