Aktuelles und New's von Gestern

 Die "Neuen" 1971er Motorrad Grand Prix Rennmaschinen, ein aktueller Bericht vom Dezember 1971.

 

75 PS bei 9000 U/min wurden werksseitig für die 1970er Rennversion der 500er Dreizylinder-Zweitakt Kawasaki genannt. Ob der Motor diese Leistung wirklich hat (und hält), erscheint freilich beim Vergleich mit der 500er Viertakt-Dreizylinder von MV Agusta fraglich. Aber erstaunlich bleibt dennoch, was so simple kolbengesteuerte Zweitakter wie dieser (und der 500er Zweizylinder von Suzuki kaum weniger) Im Kampf mit Doppelnockenwellen-Viertaktern heute zeigen. 60 mm Bohrung, 58,8 mm Hub, 120° Zündabstand, Pumpen-Frischölschmierung, drei 35er Mikuni-Vergaser, Batterie-Spulenzündung, offen laufende Kupplung, klauengeschaltetes Fünfganggetriebe.

 

 

Die Morbidelli wird In der privaten Rennabteilung des Juniorchefs einer Holzbearbeitungsmaschinenfabrik In Pesaro gebaut. Zunächst gab es sie nur als wassergekühlte Einzylinder-Fünfziger mit Drehschieber- steuerung für den Einlaß, Im letzten Jahr kam dieser 125er Zweizylinder dazu. Ebenfalls wassergekühlt, einzeln stehende Zylinder mit Mittelabtrieb zum Sechsganggetriebe, außen an beiden Kurbelkammern Plattendrehschieber. Die Leistung dieses Motors; mit dem sich Parlotti In der Spitzengruppe der stark besetzten 125er Klasse hält, dürfte bei etwa 30 PS liegen.

 

Die Bootsmotoren-Leute verwendeten den Drehschieber zur Einlaßteuerung schon zu Zeiten, als man ihn zwar auch im Motorradbau kannte, aber nichts davon hielt. König in Berlin, schon vor dem Krieg weltbekannt, hat nach 1945 die Leistungssteigerung gewaltig vorangetrieben - die Drehschieber- steuerung hatte ihren Anteil daran. In der jetzt in mehreren Exemplaren gebauten 500er König- Rennmaschine sitzt ein (natürlich wassergekühlter, Pumpe durch Riemen angetrieben) Vierzylinder- Zweitakt-Boxermotor, der über einen im Winkel laufenden Zahnriemen angetriebene Flachdrehschieber liegt oben auf dem Gehäuse. Deshalb Fallstromvergaser, Kettenantrieb zum Getriebe.

 
 

Das ist die 125er Suzuki, die von dem Engländer Barry Sheene gefahren wird. Es handelt sich um den nahezu gleichen Motor, wie ihn auch Dieter Braun in seiner Ex-Anscheidt-Maschine hat - aber der Rahmen besteht aus Leichtmetallrohren. Übrigens fuhr auch Anscheidt in früheren Jahren dieses Leichtfahrwerk schon - er erzählte, daß es mehrere davon gab, die jedoch sehr unterschiedlich im Fahrverhalten waren. Im allgemeinen befriedigten sie nicht, die Maschinen neigten zum Schwänzeln.

 

Gould und Andersson, die auch in diesem Jahr bei Yamaha für die Grand Prix-Läufe unter Vertrag stehen und SpeziaImaschinen fahren, bringen diese neue 125er an den Start. Beide Fahrer wissen selbst noch nicht, was im innern der Motoren bzw. ansonsten an ihnen verändert wurde - es sind nach wie vor im Aufbau völlig seriennahe kolbengesteuerte Zweizylinder Zweitakter, die ihre Höchstleistung bei 13 500 U/min abgeben. Vorläufig befriedigen diese Werksmaschinen jedoch noch nicht - die neue Derbi und die Morbidelli's sind schneller.

Fotos: Volker Rauch (3), Perelli (2

Der Bericht und die Bilder wurden  verändert und im anderen Layout aus der "Motorrad 24/1971" entnommen.