Aktuelles und New's von Gestern

...Was ist 1976 alles passiert? Geschichten, Fakten und Nachrichten aus Motorrad-Technik und -Sport. Unsortiert, weder nach Wichtigkeit oder Zeitraum und permanent in Arbeit. Updates sind jederzeit möglich.

 Stand: 19.06.06 mit 6 Einträgen


 

     Phil Read jetzt doch auf Suzuki

Phil Read hat das Projekt Norton Challenge aufgegeben und wird in der kommenden Saison bei allen WM-Läufen auf einer Vierzylinder-Suzuki des italienischen Importeurs Saiid an den Start gehen. Phil Read glaubt, daß man sich bei Cosworth, die den Motor der Norton stellen wollten, nicht intensiv genug um dieses Projekt kümmern kann, da die unmittelbar vor der Tür stehende Formel 1-Saison vorrangig ist. Phil Read wird wegen seines Suzuki-Projektes, noch bevor er nach Daytona geht, Suzuki in Japan einen Besuch abstatten, wo er hofft, nicht nur Spezialteile zu erhalten, sondern vor allem auch genügend Ersatzteile für seine Vierzylinder-Suzuki. Von Japan aus wird er dann direkt nach Daytona jetten, um hier auf der Vesco-Yamaha die 200 Meilen zu bestreiten. Sein nächster Einsatz in der Formel 750 wird dann, mit der gleichen Maschine der Lauf in Imola sein.


   Agostini nicht in Daytona!

 

Wegen der hohen Transport und Reisekosten (die der Veranstalter nicht vergütet) wird Agostini dem Start in Daytona Beach fernbleiben. Außerdem befürchtet er bei einem eventuellen Sieg den Verlust seiner Maschine, denn lt. Reglement steht die Siegermaschine allen Konkurrenten käuflich zur Verfügung. Und da Yamaha ihm mitgeteilt hat, daß nur er und Cecotto über eine dieser Spezialmaschinen verfügen und sich Yamaha außerstande sieht, eine weitere Maschine für 1976 zur Verfügung zu stellen, scheint seine Besorgnis angebracht.


 

   Gary Nixon fühlte sich von der FIM betrogen!

...Einer fühlt sich betrogen
Gary Nixon, der sich um den Gewinn des Formel 750 Cups geprellt sah, hatte weder die lange Reise, noch Kosten gescheut und war eigens nach Brügge gekommen, um von der FIM Rechenschaft darüber zu erhalten, wieso nicht er, sondern Steve Baker zum Sieger des Laufs in Venezuela erklärt worden war. Nicht nur nach exakt geführten Rundentabellen seiner eigenen Boxen-Crew, sondern auch derjenigen der Konkurrenz, hatte Nixon die ihm lt. offiziellem Ergebnis fehlende Runde gefahren.

Die Venezolaner, von der FIM um Unterlagen der Zeitnahme, sprich Ergebnislisten gebeten, mußten passen: Nach Ausscheiden des National-Helden Cecotto, brach die Zeitnahme zusammen - Listen existieren vom Zeitpunkt nach Cecottos Ausscheiden nicht! Damit war klar: die FIM konnte nicht anders, als das Ergebnis, bzw. den kompletten Lauf von Venezuela zu anullieren - der Verlierer hieß Gary Nixon. Damit wurde Victor Palomo als Sieger des FIM Cups der Formel 750 bestätigt. Als Nixon den Whisky-Vorrat des Holiday Inn in Brügge - dem Tagungsort der FIM - aufgebraucht hatte, verabschiedete er sich mit den Worten: „Ich habe den Herren, die mir meinen Titel streitig machen, ins Gesicht gesehen, und bin zu dem Entschluß gekommen, Fahren allein genügt nicht; Ich glaube, ich muß die GNMA gründen, falls ich hier in Europa etwas gewinnen will." GNMA? „Oh yes; Gary Nixon Motorcycle Association' - dann kann mir keiner meinen verdienten Titel mehr streitig machen." Sprach's und flog heim.

FIM Kongress

   Formel TT - Formel der Zukunft, oder ein Irrweg?
Im Mittelpunkt des Kongresses stand die Zukunft der englischen Tourist Trophy auf der Isle of Man. Dazu hatte die Technische Kommission auf Grund der Vorschläge ihres Vorsitzenden, H. W. Bönsch, eine neue Formel für Serienmaschinen ausgearbeitet, die zukunftsweisend für den Rennsport sein soll. Bönsch stieß mit seinem erarbeiteten Vorschlag auf harten Protest einiger seiner Komitee-Mitglieder, konnte sich aber letztlich durchsetzen und verabschiedete folgende neue Formel TT unter Berücksichtigung einer zu erwartenden internationalen neuen Klasseneinteilung und unter Beachtung der neuesten Erkenntnisse im Bau von Hochleistungs- Zwei-und Viertaktmotoren. Sensationell bei dieser neuen Formel, resultierend aus Bönschs Untersuchungen, ist die neue Klasseneinteilung wie folgt:

TT Klasse 1: Zweitakt 350-500 gegen Viertakt 600-1000 ccm 
TT Klasse 2: Zweitakt 250-350 gegen Viertakt 400-600 ccm 
TT Klasse 3: Zweitakt 175-250 gegen Viertakt 200-400 ccm 
TT Klasse 4: 50-125 gegen Viertakt 50-200 ccm

 

 

Ciacomo Agostini gewinnt ersten 750ccm Lauf in Europa.

Der erste Lauf zur 750ccm Klasse in Europa fand am 20.06. auf dem traditionsreichen Nürnberger Norisring statt. Agostini wurde bei 2 Läufen mit 43 Sekunden Vorsprung Gesamtsieger in dieser damals noch nicht zur Weltmeisterschaft zählenden Klasse. Vor über 45 000 begeisterten Zuschauern konnte Pat Hennen den ersten Lauf vor Agostini zwar gewinnen, allerdings sagte man Agostini auch nach er habe seine Maschine im ersten Lauf nur schonen wollen. Im 2. Lauf gab Ciacomo dann aber "richtig" Gas so dass er diesen mit 43 Sekunden Vorsprung vor dem Gesamtzweiten Roger Ruiz gewinnen konnte. John Dodds wurde Dritter, Johnny Cecotto kam mit dem kurvenreichen Kurs überhaut nicht zurecht und wurde nur 27er. Phil Read wurde im ersten Lauf noch Vierter, musste aber den zweiten Lauf frühzeitig mit Motorschaden beenden. Diese Rennveranstaltung, bei der in allen Klassen die gesamte Weltelite am Start war, war aber auch gleichzeitig das Letzte Motorrad- rennen mit WM Prädikat auf dem legendären Norisring. 

 

 

Heute ein König? oder warum der Boxer zuviel Leistung hatte!

Ebenfalls in Nürnberg auf dem Norisring trug sich eine kleine Geschichte zu, die mich auch heute immer noch zum schmunzeln bringt. Bei den Trainingsläufen der Gespannklasse fiel der Leverkusener Fahrer Thevissen deutlich auf, da er die gleichen Rundenzeiten wie die amtierenden Weltmeister Schwärzel/Huber fuhr. Pikanterweise fuhren aber beide jeweils ein Gespann dass mit dem potenten König 2T-Triebwerk befeuert wurde. Schwärzel/Huber waren aber normalerweise fahrerisch um Klassen besser als Thevissen und eben Weltmeister. Sofort wurde Protest eingelegt da ein vermeintlicher Hubraum-Verstoss vorlag. Thevissen verweigerte dies jedoch mit der Begründung dass sein Motor eben besser abgestimmt sei. Zum Showdown kam es dann im Rennen leider nicht, nach anfänglichen Top Rundenzeiten musste sich Thevissen wegen eines gelösten Kerzensteckers seines König-Gespanns mit einem Aussichtslosen Platz zufrieden geben.

Die Konkurrenz verzichtete darauf hin auf ein Vermessen des Triebwerks nach dem Rennen. Trotzdem war die Schadenfreude bei einigen nicht zu übersehen!